Steinel L 620 Cam – Erfahrungsbericht

Vor einiger Zeit hatten wir ein Problem mit Vandalismus an der Haustüre. Ob es ein dummer Kinderstreich war oder etwas anderes wissen wir nicht, auf jeden Fall war am Ende der Schließzylinder defekt und musste getauscht werden. 200€ unnötige Euro waren nur wegen irgendeinem Idioten fällig. Grund genug, darüber nachzudenken, den Eingangsbereich zu überwachen und damit auch im Bereich „Smart Home“ hier etwas Neues zu probieren. Ein Bild auf Telegram, wenn es klingelt, hatte ich zum Beispiel damit realisiert. Aber nun erst mal zurück zur ausgewählten Hardware…

Eine plumpe Überwachungskamera sollte es nicht sein, im Gegenteil, im Eingangsbereich wollte ich dann schon etwas ansehnliches montieren. Über eine Smart-Home-Gruppe auf Facebook wurde ich dann auf Außenleuchten mit integrierten Kameras aufmerksam… Und am Ende ist es die Steinel Cam L 620 geworden, mit der ich erst zwar recht zufrieden war, der Hersteller sie aber zum Glück nach drei Monaten wieder zurückgenommen hat und mir nun den Kaufpreis erstatten will…

Kaufentscheidungen und wichtige Merkmale

Wichtig für die Kamera bzw. Leuchte war mir, dass sie doch halbwegs schick und modern aussieht, die Kamera nicht zu auffällig ist und vor allem, dass der Live-Stream auch angezapft und dann zum Beispiel in openhab integriert werden kann. Idealerweise, damit der Stream nicht ständig zwischen WLAN-Router und Kamera laufen muss, sollte es eine Uploadfunktion geben, so dass bei erkannter Bewegung ein Video geschnitten wird und dann dieses per (S)FTP auf einem eigenen Server abgelegt werden kann.

Grundsätzlich gibt es zahlreiche Kameras, die erst einmal in Frage kamen, aber genau das Problem, dass sie entweder nur mit der Cloud des Herstellers funktionieren oder mit der mitgelieferten App hatte mich dann davon abgehalten, diese zu kaufen. Und das Thema FTP-Upload scheint meist auch eher unter „wäre schön gewesen“ zu laufen…

Am Ende war die Steinel Cam L 620 die Einzige, die überhaupt einen rtsp-Stream offiziell (=Anfrage beim Kundenservice) anbot. Für 200-220€ ist diese regelmäßig in Shops angeboten. Achtung: Es gibt auch ein zum Verwechseln ähnliches Produkt, die Steinel Cam L600, welche aber nicht über einen offiziell beworbenen rtsp-Stream verfügt und welche wohl keine Weitwinkelkamera hat und eine minimal andere Leuchtstärke. Wer also nicht alle Feastures so braucht, der spart hier etwa 30-40€.

Der erste Eindruck und die Inbetriebnahme

Das Produkt macht einen sehr soliden, wertigen Eindruck und wirkt sauber verarbeitet. Die Kamera lässt sich am Ring manuell drehen und somit im Finetuning noch ausrichten. Das ist insofern sehr praktisch, da ich in meinem Fall ja die Haustüre und nicht den Bereich davor filmen möchte.

Feststellungen im Betrieb

Die Einrichtung der Kamera funktioniert recht einfach mittels beigelegter Anleitung und Steinel-App. Nach wenigen Minuten hatte ich ein Bild der Cam am Handy.


Auszug aus der Steinel Cam App

Die Kamera verfügt über ein eingebautes, nicht wechselbares LED-Leuchtmittel mit 13 Watt Leistung. Für mich eigentlich zu viel. Gut insofern, dass man die Leuchtintensität regulieren kann. Für meinen Anwendungsfall (direkt neben der Haustüre) genügten 30% der Leistung. Es kann für den Dämmerungsmodus als auch für den Tagbetrieb eine Helligkeit konfiguriert werden.

Die Alarmerkennung für Aufnahme und Popup lässt sich abhängig von Kamera, PIR-Sensor oder Kamera und PIR-Sensor konfigurieren. Hier musste ich tatsächlich etwas spielen um eine halbwegs passende Einstellung zu finden, denn direkt neben der Eingangstüre geht es bei mir zu einer Treppe und dann verläuft davor ein Gehweg. Bewegungen dort sollen nicht unbedingt als Auslöser für Aufnahmen sowie für Alarmierungen sein. Um die Entfernung mit zu berücksichtigen kann man zwischen nah und fern als Erfassungsreichweite wählen. Leider hat selbst „nah“ noch dazu geführt, dass mehr als 4m entfernte Bewegungen noch erkannt und zu Meldungen bzw. zum Lichtanschalten geführt haben. Daher war ich ganz froh, die Nachlaufzeit einstellen zu können, die ich dann auf eine Minute reduziert hatte. Eine Popup-Meldung habe ich dann besser gleich deaktiviert, denn bis die Benachrichtigung kommt und dann auch die App geöffnet war, das war mir zumindest auf meinem Samsung Galaxy S7 zu träge. Auch die Gegensprechfunktion, die ein Duplex nicht zu kennen scheint, taugt eher als Spielzeug und für mehr nicht wirklich… Aber soweit i.O., für diesen Zweck habe ich die Kamera auch nicht erworben.

Wünschenswert wäre es gewesen, in der App Bewegungsbereiche definieren zu können, so dass per Bildauswertung und nicht per allgemeiner Bewegung im Bild oder beim PIR-Sensor eine Aktion ausgelöst wird. Leider gibt es keine derartige Funktion.

Es gibt auch die Möglichkeit, einen akkustischen Alarm auszulösen. Der Alarm ist durchaus hörbar, aber nicht wirklich laut. Wenn man damit unerwünschten Besuch vor der Haustüre vertreiben will genügt er aber vermutlich. In zahlreichen (aber etwas älteren) Bewertungen auf Amazon & Co hatte ich gelesen, dieser Akkustivalarm wäre ab und an „versehentlich“ angegangen und auch nicht mehr auszuschalten gewesen. Dieses Problem konnte ich selbst nicht feststellen, falls das Problem so bestand wurde wohl inzwischen in der Firmware nachgebessert.

Einbindung des RTSP-Streams

Um den RTSP-Stream einzubinden, muss man natürlich erst die IP oder den Hostname der Kamera im WLAN herausfinden. Leider ist die IP-Anzeige in der Steinel-App völlig falsch, aber ein Blick in die Fritzbox hat schnell die korrekte IP verraten. Angezeigt wurde bei mir 192.168.1.10, was insofern nicht passt, weil meine Fritzbox 192.168.188.XXX als IP-Bereich verwaltet. Angeblich sollte hier auch die RTSP-URL stehen. Laut Support wäre das nur die IP, was letztlich aber einfach falsch ist. Doppelt sogar, denn die IP stimmt ja nicht.

Der RTSP-Stream ist unter zwei URLs erreichbar:

HD-Streamrtsp://:554/user=admin&password=&channel=1&stream=0.sdp
SD-Streamrtsp://:554/user=admin&password=&channel=1&stream=1.sdp
URLs für den rtsp-Stream der Steinel Cam L 620

Einbindung in die Surveillance-Station

Ich selbst hatte die Cam in die Surveillance Station meiner Synology DS 213+ eingebunden. Dies hat grundsätzlich (wenn man den rtsp-Stream dann einmal angezapft hat) auch ganz gut funktioniert.

Innerhalb der Surveillance-Station hatte ich dann meine Erkennungsbereiche definiert und die Aufnahmefunktion der Surveillance Station auch genutzt. Leider klappte das (aber hier trifft die Kamera kein Verschulden) nur bedingt, denn die vorbeiführende Straße führt dazu, dass das Scheinwerferlicht der Fahrzeuge ein Lichtspiel an der Eingangstüre hinterlässt. Und natürlich denkt Synology dann, es findet Bewegung statt und nimmt auf…

Als Hilfe hatte ich dann nachts auf geringster Stufe die Lampe aktiviert mittels Nachtlicht-Funktion. Die Aufnahmefunktion der Surveillance-Station war dann perfekt, aber da es so hell war nistete sich einfach um die Lampe herum nachts viel zu viel Viehzeug ein… Daher habe ich das dann doch gelassen. Zu viel Aufnahmen stören ja nicht. Wenn wirklich z.B. ein Einbruchsversuch stattgefunden hätte, dann habe ich lieber zu viele als zu wenig Aufnahmen…

Die Knackpunkte am Ganzen…

Knackpunkt 1: Sehr instabile App, die mehr hält, als sie verspricht…

Eine Überwachungskamera kauft man sich ja, um im Bedarfsfalle das Aufgenommene sich auch ansehen zu können. Leider stürzt die App stets ab, wenn man nach Start der App auf den „Aufnahmen“-Button drückt. Die Kamera habe ich Anfang August erworben, jetzt (Ende Oktober) ist diese Problem immer noch nicht behoben und der Support vertröstete immer auf ein irgendwann kommendes Update.

Dabei gibt es einen Workaround: Erst manuell den Live-Stream starten, dann auf „Aufnahmen“ klicken und schon werden die Aufnahmen auch angezeigt. Schade nur, wenn Google mehr weiß als der offizielle Support. Würde ich mich nur auf diesen verlassen, hätte ich bislang nie auf die Aufnahmen zugreifen können, denn weder Lösung noch Workaround nannte er mir.

Wer sich ein Bild über die Funktionalitäten der App machen möchte, sei eingeladen die Bewertungen im Google Play Store (Aktueller Schnitt: 1,8 Sterne) zu lesen. Hätte ich diese zuvor gelesen, hätte ich gewusst, was mich erwartet.

Knackpunkt 2: Doch kein offizieller Support der rtsp-Funktion.

RTSP war mir ja besonders wichtig, deswegen hatte ich beim Steinel Support auch erst angefragt, ob die CAM das bietet (hier dachte ich zuerst an die L600, denn in einem Forum hatte ich gelesen, eine ältere Firmware der kleineren Version würde das bieten). Der Support verwies mich dann auf die L620, die das als reguläres Produktmerkmal unterstütze. Die RTSP-URL wäre dann in der App auslesbar.

Problem ist hierbei: Die App ist einfach fehlerhaft. Es wird einerseits nicht die korrekte IP der Kamera angezeigt, andrerseits ist keine RTSP-URL auslesbar. Daraufhin hatte ich Anfang August den Support angeschrieben, der mir mitteilte, der Produktmanager müsste hierfür noch eine Anleitung schreiben, wann diese aber käme, wisse er nicht. Bis heute kam sie auch nicht…

Ich hatte zwar zwischenzeitlich (siehe URLs oben) die URL in Google gefunden und auch genutzt, aber natürlich möchte ich eine URL einbinden, die z.B. auch nach einem Firmwareupdate der Kamera noch zugesichert funktioniert. Deswegen möchte ich natürlich auch eine offizielle Aussage des Herstellers dazu. Immerhin ist das ja auch kein billiges Produkt. Nur leider konnte er mir diese bis heute nicht bieten, trotz regelmäßiger Nachfrage durch mich beim Support.

Zuletzt habe ich dann die Information erhalten, die Geschäftsleitung von Steinel hätte nun festgelegt, die rtsp-Funtktion wäre nur für Experten. Eine falsche Anwendung könne ein Sicherheitsrisiko für mein gesamtes Hausnetzwerk darstellen. Man lehnt daher auch jeglichen Support und jegliche Gewährleistung ab. Ich glaube eher, man hat keine Lust mehr auf mein vemrutlich durchaus nerviges aber nie unhöfliches Nachfragen.

Dies sind für mich harte Aussagen, gerade weil das Merkmal vor Kauf zugesichert wurde und damit auch beworben wurde. Zudem kann ich über die Aussage, dass ein Nutzen des Streams ein Sicherheitsrisiko für mein gesamtes (!) Heimnetz darstellen würde, nur den Kopf schütteln. Entweder gibt es tatsächlich Lücken in der Programmierung der Kamera, die tatsächlich dann deren Betrieb zu einem Risiko werden lassen, oder das Argument wurde einfach nur vorgeschoben. Unter dem Aspekt, dass ich frühzeitig fairerweise den Support darauf hingewiesen habe, dass ich in meinem Smarthome-Blog eine Produktbewertung einstellen werde, wirken Aussagen, die das Wort Sicherheitsrisiko mit dem Produkt in Verbindung bringen, doppelt unprofessionell.

Leider wollte man die „Sicherheitsrisiko“-Aussage trotz nochmaliger Nachfrage und Verweis darauf, dass ich durchaus in der Lage bin, mein Netzwerk adäquat abzusichern, nicht näher konkretisieren. Auf meinen Verweis auf das beworbene Produktmerkmal, das nun auch zu supporten sei, bekam ich lediglich das Angebot, mein Geld gegen Rücksendung der Kamera zu erhalten.

Fazit

Bei der Steinel Cam L 620 erhält man hochwertig und schön wirkende Hardware.

Die App jedoch ist kaum zu gebrauchen und stürzt ständig ab. Steinel schafft es nicht, essentielle Fehler (Ansehen der Aufnahmen) zu beheben und dies fehlerfrei auszuliefern und der Support weiß augenscheinlich in vielen Aspekten weniger als man selbst, wenn man 5 Minuten nach einer Frage / einem Problem googelt…

Gerade dass das mir zugesagte Produktmerkmal des RTSP-Streams nun doch offiziell nicht supportet wird und dessen Benutzung laut Aussage des Herstellers zu einem Sicherheitsrisiko für das Netz, in das sie eingebunden ist, werden kann, schafft keine Grundlage für eine dauerhafte Nutzung dieses Streams für die Zukunft. Mit jedem Firmware-Update könnte die Funktion damit eingestellt werden.

Ich habe mich daher entschlossen, mich von dieser Kamera nach wenigen Monaten wieder zu trennen und werde sie dem Hersteller zurückschicken. Mit einer gut funktionierenden App und einer offenen Schnittstelle für Drittsysteme (Stichwort rtsp) hätte es Steinel schaffen können, hier ein insgesamt sehr gutes Produkt zu kreieren.

Wer mit den Einschränkungen im Betrieb zurecht kommt, für den kann die Cam durchaus das Richtige sein, denn schön sieht sie ja auf ejden Fall aus und die Bewegungsmelder/Lichtautomatik funktioniert auch gut.

Ich selbst werde mich entweder nach anderen Herstellern umschauen (und dann aber auf jeden Fall neben der Bewertung auf Amazon & Co auch zwingend die Bewertung der App im jeweiligen App-Store prüfen) oder eine Bastellösung mit Raspberry und Co in eine andere, bestehende Lampe integrieren.

Falls es die Bastellösung wird werde ich natürlich darüber berichten…

Wer selbst Erfahrungen mit der Cam oder eine bessere Empfehlung für mich hat, der möge das gern als Kommentar hinterlassen! Danke schonmal ;.-)

Eine Antwort auf „Steinel L 620 Cam – Erfahrungsbericht“

  1. Ich muss die gleichen Erfahrungen machen. Kauf der Steinel Cam L620 Mitte Oktober 2020. Abstürze noch immer. Außerdem finde ich die Dateien nicht, die ich herunter geladen habe.
    Die Bedienungsanleitung ist sehr sparsam.
    Schade schönes Produkt, schlechte App.

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